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Meine Prothese im Klassenzimmer 

Von Dorothee

Hi, ich bin Dorothee, trage eine Unterarmprothese und bin Lehrerin einer Grundschule.

Die Prothese war für mich nie ein Hindernis diesen Beruf zu wählen. Was sich Erwachsene vielleicht erst im zweiten Gedanken vorstellen können, ist bei Kindern eigentlich kein Problem. Kinder begegnen einem unvoreingenommen, aber platzen mit ihren Fragen genauso auch direkt heraus. Ein Problem? Nein, sonst wäre dieses Berufsfeld nicht das Richtige für mich.

 

Doch die Entwicklung meinerseits mit diesen vielen Begegnungen und der Prothese umzugehen, hat sich mit der Handprothese VINCENTevolution verändert. Lange trug ich eine myoelektrische Unterarmprothese mit Silikonüberzug, d.h. sie war kosmetisch sehr echtaussehend und fiel nicht immer direkt auf, sondern oft erst beim zweiten Blick. Angenehm, denn ich stand nicht sofort mit Fokus. Die typischen Fragen waren zum Beispiel: „Was ist das?“, „Warum hast du das?“, „Wo ist deine echte Hand?“, „Warum gibt’s die echte Hand nicht?“, „Ist da drunter ein Knochen?“, „Tut das weh?“, ... und erst recht spät: „Wie öffnest du sie?“ Ich beantwortete die Fragen mal ausführlicher und mal kürzer, wenn ich mich oft wiederholen muss. Nach dem ersten Kennenlernen der Klasse schiebt sich der Fokus dann mehr auf die Lerninhalte. Trotzdem sahen die Kinder genau, was ich wie tat. Der eine Griff, den ich damals hatte, unterstütze mich zwar, doch er war ergonomisch und funktional nicht immer der beste Griff für viele verschiedene Sachen, sodass ich auch viel mit der anderen Hand unterstützen musste. Es kam eine Zeit, in der meine vorhandene Hand überlastet war. So war ich offen mich beraten zu lassen, welche prothetischen Möglichkeiten es inzwischen auf dem Markt gibt.

 

Die VINCENTevolution von Vincent Systems hat mich damals mit High Tech, vielen Funktionen, einer hohen Zuverlässigkeit beim Greifen als auch mit einer coolen Optik überzeugt. Natürlich war es erstmal eine Umstellung nun viele Griffe zu lernen und auch benutzen zu können, wenn man in einer Situation ist und es schnell gehen soll. Da musste man sich auch wieder etwas mehr Zeit geben und Geduld haben, bis es routinierter wurde und bis es ein echter Gewinn für deinen Lebensalltag ist! Von meiner anfänglichen Haltung „Prothese kann, muss aber nicht sein“, kam ich mit der neuen Hand im Roboterstyle zu der Haltung „Hey! Die Prothese hilft mir echt!“ Ich merkte, beispielsweise der Apfel blieb auch in der Hand und rutschte nicht heraus. Oder das Buch konnte ich gut halten, ohne meine Schulter zu verdrehen und zu verkrampfen. Viele weitere Momente folgten, sodass ich Spaß daran bekam, meine Prothese bewusst einzusetzen. Zunächst trug ich die Handprothese noch mit einem hautfarbenen Handschuhüberzug. Denn ehrlich gesagt, störte es mich, wenn ich an mir runter sah und die schwarze Hand so hervorstach. Als Vincent Systems dann die verschiedenen Farbmöglichkeiten auf den Markt brachte, war ich glücklich und ich wählte die hautfarbene Variante.

 

Interessant war dann die Entwicklung in der Schule. Die Kinder fragten sofort mehr zur Technik. „Wie funktioniert das?“, „Wie kannst du einen anderen Griff machen?“, „Kannst du auch schreiben damit?“, „Kannst du die Flasche hier öffnen?“, „Kannst du damit ins Wasser?“ etc. Es war also gar nicht mehr so interessant, warum ich eine Prothese trage, sondern was sie alles kann und wie sie funktioniert. Im Fokus stand nun die Technik bzw. die Sache selbst und nicht direkt ich, was ich als sehr angenehm empfand. Diese Souveränität der Kinder im Umgang mit der „Roboterhand“ stärkte und veränderte wiederum meine Sicht und ich trage hin und wieder auch mal eine Leih-Hand in einer anderen Farbe, nicht mehr nur in meiner Hautfarbe. Ich selbst wurde routinierter im Einsatz der Griffe und zeitgleich souveräner mit den vielen Begegnungen und Fragen. Wenn ich eine neue Klasse habe und wir uns kennenlernen, gibt es immer eine Fragestunde zur Prothese. Wer möchte, darf sie dann auch anfassen. Bis der Wissensdurst nicht gestillt ist, kann man sowieso nicht mit dem Unterricht weitermachen. Die Schüler wissen, was ich trage, und es gehört zur Normalität an unserer Schule, dass ich mit einer Roboterhand lebe und unterrichte.

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